2. Juni 1993

Runde 1

DIE ERSTE RUNDE

Mit sage und schreibe vierzehn Zitatepaaren kann der Ratespaß ohne Anlaufschwierigkeiten beginnen! Folgende Personen haben diesmal Zitatepaare beigesteuert:
Spielleiter (2), Jürgen Beller, Andreas Borchert, Michael Frenzel, Peter Gschwendtner, Robert Gunst, Björn Hesse, Silvia Kretschmer, Pit Linder, Martin Mayer, Richard Rotter, Reinhard Schön, Jan Stibane.
Es folgt die haarsträubende Geschichte, die Ihr und mein Zufallsgenerator zusammen geschrieben habt. Das erste Zitat ist das Samenkörnchen aus der vorherigen Runde. Die weitere Reihenfolge bestimmte allein der Computer.

DIE ZITATE

[1] Er erwachte in einem ihm unbekannten Zimmer. Eine erstaunlich kräftige Sonne erleuchtete Wände und Möbel, die er noch nie gesehen hatte. Einen Augenblick lang verharrte er ratlos blinzelnd und versuchte vergeblich, sich zu orientieren.

[2] Auf einmal machte er einen Sprung und landete zwischen meinen Füßen. Für einen Augenblick verlor ich die Herrschaft über den Wagen und wäre fast mit dem Fuß statt auf dem Bremspedal auf seinem Kopf gelandet.

[3] Eine brandneue Nachricht: Wie uns aus dem Hauptquartier der Carabinieri mitgeteilt wird, ist der heute im Morgengrauen gefaßte gefährliche Carlos Ontena heute nachmittag aus der Untersuchungshaft ausgebrochen, nachdem er die Wand seiner Zelle zertrümmert hat.

[4] Links endete der Gang an einer Wand mit einem Gitterfenster; in dieser Richtung waren vier weitere Türen zu sehen, zwei auf jeder Seite. Wahrscheinlich Krankenzimmer.

[5] Das kräftige Gras unter ihren Füßen war real, real auch der fruchtbare Boden. Die betäubenden Wohlgerüche der Bäume waren ebenfalls real. Die Nacht war eine reale Nacht.

[6] Er versuchte daher, zuerst den Oberkörper aus dem Bett zu bekommen, und er drehte vorsichtig den Kopf dem Bettrand zu. Dies gelang auch leicht, und trotz ihrer Breite und Schwere folgte schließlich die Körpermasse langsam der Wendung des Kopfes.

[7] "Dies frühzeitige Aufstehn", dachte er, "macht einen ganz blödsinnig. Der Mensch muß seinen Schlaf haben. Andere Reisende leben wie Haremsfrauen. Wenn ich zum Beispiel im Laufe des Vormittags ins Gasthaus zurückgehe, um die erlangten Aufträge zu überschreiben, sitzen diese Herren erst beim Frühstück."

[8] "Speck und Omelette! Sind Sie verrückt geworden, Lorrimer? Sie wissen ganz genau, daß der Arzt mir verboten hat, fettreiche Speisen zu essen!"

[9] Es schossen schwarze Vögel aus dem Himmel zu ihm herab -- Tausende von schwarzen Vögeln krächzten und schlugen mit den Flügeln um ihn herum. Sie verdunkelten den Lamartine-Platz, stürzten auf ihn nieder, füllten das Zimmer, verschlangen ihn, flogen durch seine Haare, in die Nase, in den Mund, in die Augen, begruben ihn in einer dicken, schwarzen Wolke schlagender Fittiche.

[10] Er wäre gern mitgenommen worden, weil er genug davon hatte, immer nur nichts zu fangen, und wollte nicht auf seinen Freund warten, um nach Hause zu fahren.

[11] Als die Gendarmen ihn fanden, lag er auf dem Boden unter dem Fenster. Sie trugen ihn ins Gefängnis, sperrten ihn hinter Schloß und Riegel in eine Zelle. Vor der Tür wurde ein Gefängniswärter aufgestellt.

[12] Der eine Rand des Regenbogens ist immer rot und der andere violett.

[13] Es überraschte Baleg stets aufs neue, daß eine relativ kleine Wolke die Sonne völlig verdecken konnte und die Erde von einem Horizont bis zum anderen verdunkeln und doch den größten Teil des Himmels blau lassen.

[14] Gregor fühlte sich tatsächlich, abgesehen von einer nach dem langen Schlaf wirklich überflüssigen Schläfrigkeit, ganz wohl und hatte sogar einen besonders kräftigen Hunger. Als er dies alles in größter Eile überlegte, ohne sich entschließen zu können, das Bett zu verlassen -- gerade schlug der Wecker drei Viertel sieben --, klopfte es vorsichtig an die Tür am Kopfende seines Bettes.

[15] Mittwochnacht hatte es sehr stark geregnet, und der Weg zum Haus war naß und matschig, aber die Donnerstagmorgensonne schien hell und klar.

[16] "Wir wissen, wie man Patienten wie Sie zur Räson bringt", keuchte er.

[17] "Man braucht kein Historiker zu sein, um Marcus Nichols zu kennen! Das wäre doch, als ob man noch nie von Männern gehört hätte, wie... wie..."

[18] Er spürte das kalte, fremde Gewicht seiner eigenen Pistole und hob sie mit zitternden Händen.

[19] Das Licht der Sonne ist "weiß".

[20] "Was ist los, Gleason?" -- "Sie will fort. Und ich habe keinen Befehl, irgend jemanden durchzulassen."

[21] Automatisch wandten sich seine Augen wieder den hackenden Sternträumern zu und wanderten von einem zum andern. Er konnte jeden einzelnen identifizieren und nennen. Und alle arbeiteten, lernten, wie man das Leben draußen erträgt und ...

[22] Es ist also völlig in Ordnung, wenn wir ihm die Formel geben -- vielleicht ist es sogar notwendig!

[23] Er war nicht mehr da, obwohl er nur unter dieser einen Stange existieren konnte. Offensichtlich hatte er der Welt das Lied von seinem Unglück zu Ende vorgesungen. Nun waren von ihm nur noch die Beine übriggeblieben -- auf dem Bürgersteig ausgestreckt und in der Betonplatte verschmolzen.

[24] "Gelb", dachte er und schlurfte wieder in sein Schlafzimmer, um sich anzuziehen. Als er am Badezimmer vorbeikam, blieb er stehen und trank ein großes Glas Wasser, dann noch eins.

[25] Und jetzt fahre vorsichtig auf Deinem Weg in den Süden. Und denke nicht mehr an diese Geschichte. Solche Dinge kommen häufig vor. Nimm es einfach wie einen schweren Autounfall, dem Du glücklich entronnen bist.

[26] Das waren die letzten Worte, die er an mich richtete. Als ich am nächsten Morgen erwachte, war er verschwunden. Im Bett war noch der Abdruck seines Körpers zu sehen, und vom Kopfkissen ging sein Geruch aus. Ich sprang aus dem Bett und rannte hinaus, um nachzusehen, ob der graue Wagen noch da sei. Er war weg.

[27] Und als er sich aufsetzte und verwirrt an sich heruntersah, konnte er die breiten weißblauen Streifen nicht einordnen. Er trug einen Schlafanzug, im Bett! Der Gipfel an Zeitverschwendung und Konventionalität.

[28] "Was ist mit mir geschehen?" dachte er. Es war kein Traum. Sein Zimmer, ein richtiges, nur etwas zu kleines Menschenzimmer, lag ruhig zwischen den vier wohlbekannten Wänden.

KONTAKTE

Silvia Kretschmer:
Ich glaube, daß das Spiel interessant wird, und hoffe stark, daß sich im Postspillion überhaupt genug Interessierte finden. Herzliche Willkommensgrüße an Martin & alle Mitspieler!

DAS SAMENKÖRNCHEN FÜR DIE ZWEITE RUNDE

... und meine rechte Hand rutschte ab. Die Angst, die mich schlagartig durchfuhr, überflügelte meine Erschöpfung, und ich griff mir neuen Halt mit einem Ausbruch verzweifelter Energie. Doch diese verließ mich ebenso rasch wieder, wie sie gekommen war, in der gleichen Lage. Höchstens müder.

MITTEILUNGEN

Wer noch einsteigen möchte, kann dies bekanntlich jederzeit tun. Regeln gibt es bei Reinhard.

Zwei Leute hatten offenbar Probleme mit meiner Adresse, daher sei es nochmal klargestellt: Die oben angegebene Postleitzahl gilt erst ab dem 1. Juli 1993. Vorher (also noch dieses letzte Mal) schreibt bitte nach 7900 Ulm 1.

Da DoubleQuotes noch ein recht junges Spiel ist, wird es u.U. nicht ausbleiben, daß sich die Regeln noch in manchen Punkten verändern. Nach den allerersten Erfahrungen denke ich hierbei besonders an die Form, in der Zitate einzureichen sind. Manche Texte waren nur schwer zu entziffern. In anderen Fällen war der Abstand zwischen den beiden Zitaten zu groß. Ich verlange ja nicht, daß jemand tatsächlich 500 Worte abzählt -- es können ja auch nur 20 sein! Die Faustregel für Bücher gewöhnlichen Formats sind jedenfalls nicht mehr als anderthalb Seiten. Übrigens sehe ich es auch nicht als korrekt an, aus einer Kurzgeschichtensammlung zwei verschiedene Geschichten zu zitieren. Und jedes Zitat soll natürlich wörtlich und in sich lückenlos wiedergegeben werden.

In dieser Runde war ich noch sehr großzügig, bzw. konnte in den beiden extremsten Fällen nach Rücksprache mit den Einsendern entsprechende Korrekturen vornehmen. Für die Zukunft überlege ich allerdings, ob ich wegen der Leserlichkeit und als eine Art Nachweis, daß die Regeln auch eingehalten werden, grundsätzlich Fotokopien verlangen sollte. Andererseits kommen wir gut ohne diesen zusätzlichen Aufwand aus, wenn alle ihre Züge mit einer gewissen Sorgfalt ausfüllen. Wenn der Platz ausgeht, darf man gern auf der Rückseite des Formulars weiterschreiben.

Gebt bitte bei der Quelle auch die Seiten mit an.

Ein anderer Regelzusatz, den ich für der Diskussion wert erachte, wäre die Vorschrift einer Mindestlänge eines Zitats (zum Beispiel 20 Worte). Was hieltet Ihr davon?

VIEL SPASS BEIM RATEN UND SUCHEN

...wünscht Euch Euer
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Martin Hasch